Bisherige Ausstellungen

 

 

Die schaffende Österreicherin – 90 Jahre "Vereinigung Wiener Frauenkunst"

Schon der Name dieser neugegründeten Vereinigung bildender Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen wirkt wie ein Programm. Frauenkunst! Man wird unwillkürlich fragen, ob denn hier ein prinzipieller Unterschied zu machen sei (Die Österreicherin 1928).

„Wiener Frauenkunst“. Während es den Frauen auf politischem, wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Gebiete bereits gelungen ist, die völlige Gleichberechtigung mit den Männern durchzusetzen, und auch auf dem Felde des Theaters, der Musik und der Literatur längst kein Zweifel mehr an ihrer Ebenbürtigkeit mit dem anderen Geschlecht besteht, werden ihre Leistungen in der bildenden Kunst noch immer nicht so weit für voll genommen, daß ihnen auch die Aufnahme in die großen Künstlervereinigungen gestattet würde. Das zwingt sie, sich zu eigenen Organisationen zusammenzuschließen, deren Hauptzweck die Veranstaltung von Ausstellungen ist (Wiener Zeitung 1. Jänner 1928).

Frauen war die Ausbildung an Kunsthochschulen lange Jahre verwehrt, sie wichen in die 1869 gegründete Wiener Kunstgewerbeschule aus, die profunde Kenntnisse vermittelte. Frauen wurde außerdem die Aufnahme in die großen Künstlerorganisationen wie Künstlerhaus, Secession oder Hagenbund verwehrt, als Konsequenz gründete Olga Brand-Krieghammer, Schülerin Carl Molls, 1910 die Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs, von welcher sich wiederum, vergleichbar mit der Secession, 1926 die Vereinigung Wiener Frauenkunst abspaltet. Ihre erste Präsidentin Fanny Harflinger legt im Jänner 1926 in der Zeitschrift Die moderne Frau die Intention dar:

Wir wollen modern sein, in erster Linie in dem Sinne, dass wir darunter enge Verbundenheit mit dem Leben verstehen. Die Kunst unserer Tage steht dem Leben und seinen sichtbaren Äußerungen noch immer recht fremd gegenüber; sie durchdringt es nicht, wie es die Kunst früherer Zeiten tat.

Die Vereinigung organisiert Ausstellungen, um die Werke ihrer Mitglieder einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Die erste unter dem Titel „Die Frau von heute“ findet am 1. Dezember 1926 statt, und es geschieht Erstaunliches: Der Wiener Stadtschulrat gibt bekannt, dass er „den Besuch ganzer Schulen der Ausstellung befürwortet. Die Ausstellung hat den Plan gefasst, junge talentierte Kunstkräfte zu fördern, indem sie künstlerische Nachmittage veranstaltet, in denen junge Kunstkräfte, denen die materielle Grundlage für ein Erstauftreten nicht zu Gebote steht, den Weg in die Öffentlichkeit finden“, berichtet die Wiener Zeitung am 5. Juni 1927. Es geht nicht nur um Kunst, sondern um die vielfältigen Belange der Frauen von Haushaltsführung, medizinischen Angelegenheiten bis zu Bildungsfilmen – ein umfassender Bildungsauftrag.

Am 10. Dezember 1927 wird die erste Kunstausstellung im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, Wollzeile 41, immerhin durch Bundespräsident Hainisch eröffnet. Im Ausstellungskatalog heißt es:

Die „Wiener Frauenkunst“ ist mit dem idealen Ziel ins Leben getreten, für alle wertvolle Bestrebungen der Frau auf dem Gebiete der bildenden Kunst in unserer Heimatstadt ein Mittelpunkt zu werden. Ihre erste Ausstellung soll erweisen, ob sie sich auf dem Wege dahin befindet.

Erste Ausstellung der Vereinigung bildender Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen. Wiener Frauenkunst. (Wien Dezember – Jänner 1927/28)

Es folgen Ausstellungen mit dem Titeln „Das Bild im Raum“, „Wie sieht die Frau“ oder „Die schöne Wand“, auch beteiligen sich die Künstlerinnen 1928 an einer Ausstellung in London. 1931 eröffnet die Vereinigung ihre fünfte Ausstellung in den Räumen des Hagenbundes, wie die Zeitschrift Die Österreicherin berichtet:

Dass die Wiener Frauenkunst jetzt in den Räumen des Hagenbundes eine an Umfang und Inhalt bedeutende und wertvolle Ausstellung zu zeigen vermag, ist ein Zeichen ungewöhnlicher Kraft und Energie, die diese Gruppe begabter und mutiger Frauen unter der Führung der ausgezeichneten Fanny Harflinger beseelt. In besonderer Brillanz tritt das Kunstgewerbe hervor. Geschmack im Arrangement der Vitrinen und Zimmer zeigt uns, dass wir im Zentrum europäischer Geschmackskultur stehen, die gute Luft der Wiener Werkstätte und des Werkbundes ist in diesen Räumen. Die Atmosphäre der Lebens- und Sinnesfreude, die aus dieser Veranstaltung spricht, wirkt in diesen grauen Zeiten erfrischend.
Wiener Zeitung, 18.10.1931

1938 zerfällt die Vereinigung „Wiener Frauenkunst“ ebenso wie die Zinkenbacher Malerkolonie. Künstlerinnen wie Bettina Bauer, Lisl Weil, Lisel Salzer, Emmy Zweybrück der Margarete Hamerschlag müssen auf Grund ihrer jüdischen Herkunft fliehen und versuchen, in ihren Zufluchtsländern Fuß zu fassen. Illustrationen von Kinderbüchern und die Erteilung von Kunstunterricht ermöglichen ihnen eine neue Existenz.

Am 18. Mai 1939 findet sich der letzte Zeitungsartikel zur Vereinigung „Wiener Frauenkunst“ und berichtet über eine Ausstellung im Palmenhaus im Burggarten. Dann wird es still um diese Art der Frauenkunst. Die Vereinigung besteht noch bis 1956 – 30 Jahre nach ihrer Gründung wird sie aufgelöst.

Zu den Mitgliedern der Vereinigung „Wiener Frauenkunst“ zählte eine beeindruckende Menge vielfältig tätiger Künstlerinnen, darunter Bettina Bauer-Ehrlich, Gudrun Baudisch, Helene Funke, Camilla Göbl-Wahl, Margarete Hamerschlag, Fanni Harlfinger, Stephanie Hollenstein, Silvia Koller, Broncia Koller, Sascha Kronburg, Dina Kuhn, Anna Lesznai, Luise Merkel-Romee, Elfriede Miller-Hauenfels, Zoe Munteanu, Mitzi Otten-Friedmann, Lucie Rie-Gomperz, Teresa Ries, Kitty Rix, Irma Rothstein, Ena  Rottenberg, Lisel Salzer, Emma Schlangenhausen, Gertrude Schwarz-Hellberger, Marianne Seeland, Susi Singer, Fini Skarica-Ehrendorfer, Luise Spannring, Herta Strzygowski, Helene Taussig, Lisl Weil, Pepi Weixelgärtner, Grete Wilhelm, Poldi Wojtek-Mühlmann, Franziska Zach, Liane Zimbler, Emmy Zweybrück.

Die Ausstellung des Museums Zinkenbacher Malerkolonie empfindet die Idee und den Aufbau der Ausstellungen dieser Vereinigung nach und stellt Gemälde ebenso in den Mittelpunkt wie Druckgraphik und Kunsthandwerk. Die Gestaltung folgt den Ideen Liane Zimblers, der ersten Architektin Österreichs.

Die Exponate stammen aus Privatsammlungen und dem Museum Zinkenbacher Malerkolonie.

Kuratorin: Dr. Marie-Theres Arnbom

 

Josef Dobrowsky und seine Freunde in Zinkenbach (2015)

In der Zeit von 1932 bis 1936 besuchte Josef Dobrowsky zusammen mit den drei befreundeten Künstlern Ernst Huber, Sergius Pauser und Franz Zülow Ferdinand Kitt und seine Malerkolonie im malerischen Ort Zinkenbach, dem heutigen Abersee am Wolfgangsee im Salzkammergut.

Die Ausstellung „Josef Dobrowsky und seine Freunde in Zinkenbach“, die vom 4. Juli 2015 bis 4. Oktober 2015 im Museum Zinkenbacher Malerkolonie in St. Gilgen zu sehen ist, hat die Arbeiten der fünf Künstler zu jener Zeit im Fokus.

Gezeigt werden Porträts der im Zusammenhang mit der Zinkenbacher Malerkolonie stehenden Personen sowie, ausgehend von Zinkenbach, Landschaften und Bauernhöfe aus dem Salzkammergut, die mit dem Schaffen Dobrowsky in Beziehung gesetzt werden. Die besondere Charakteristik dieser Künstlergruppe wird durch zahlreiche Karikaturen von und über die fünf Künstler greifbar gemacht.

 

In Freiheit, nur nach dem Gespür (2014)

Die Welt der Gertrude Schwarz-Helberger

Die Küstlerin Gertrude Schwarz-Helberger hat im Laufe ihres über hundertjährigen Lebens eine Überfülle von Artefakten produziert, die zu bändigen und zu präsentieren wir uns für die diesjährige Sommerausstellung vorgenommen haben.
 
Kurz zum Biografischen:
Geboren wurde sie, 1894, als Tochter eines recht betuchten Frankfurter Kaufmanns, sie war aber von Anfang an eher ein burschikoser Wildfang und bevorzugte wilde Indianer-, Räuber- und Seemanns-Spiele, statt der stillen Beschäftigungen "höherer Töchter". Ihre Wiener Mutter ließ sie zunächst Klavierunterricht nehmen, später wurde Gertrude Schwarz-Helberger sogar am Konservatorium zur Pianistin ausgebildet.
Gertrude Schwarz-Helberger suchte sich ihre Freiräume aber immer im Reich ihrer großen Fantasiebegabung. In ihren Tagebüchern finden sich schon erste Karikaturen - ein Talent, das sich durch ihr gesamtes Schaffen zieht -, sie baut ständig an ihrer eigenen Weltsicht, zeichnet, schreibt, liest schon von früher Kindheit an. Sie verschlingt Literatur, wild durcheinander, von Strindberg, über Nietzsche, bis Oskar Wilde und findet auch hierin eine Form der geistigen Freiheit.
 
Unfreiwillig - denn das empfindet Gertrude Schwarz-Helberger schon wieder als aufoktroyierten Zwang! - bekommt sie im Schulunterricht 9 Jahre lang eine künstlerische Grundausbildung, die für ihre spätere Maltechnik nicht unwesentlich war.
 
1916 verliebt sie sich in den Wiener Arzt Artur Schwarz - das Kennenlernen verarbeitet sie sofort in einem witzigen, illustrierten Karikatur-Bändchen (das auch in der Ausstellung zu sehen sein wird!) - 1917 folgt die Hochzeit und die Übersiedelung nach Wien.
 
Erst durch den künstlerisch begabten und tätigen Mann wird in ihr ein ernsthaftes Interesse an Kunst und der Malerei geweckt und sie kann durch die sorgenfreie Existenz auch jeder künstlerischen Laune nachgehen. Gertrude Schwarz-Helberger hängt ihre Musikstudien an den Nagel und widmet sich mit aller Aufmerksamkeit und Begeisterung der Kunst. Das Paar bewegt sich zunehmend in Wiener Künstlerkreisen und es bilden sich enge Freundschaften mit den Ehepaaren Kitt und Huber, sowie Thusnelda Zülow. Auch Kokoschka verkehrt in ihrem Hause.
Kokoschka  begutachtete auch ihr erstes Phantasiebild "Himmel-Hölle" mit der Bemerkung: "Dieses Bild sollte man nicht ans Licht der Bewunderung zerren, sondern es lieber wie ein Geheimnis lieben, das man fürchtet zu vergessen ..." Ihr nächstes Bild, "Wurstlprater", sendet sie schon an der Wiener Secession ein. 1925 ist sie an der 6. `Kunstschau´ beteiligt und stellt auch jährlich in der "Wiener Frauenkunst" aus.
 
Die Übersiedlung, 1929, in eine weitläufige Atelierwohnung (nahe dem Atelier Zülow) in der Porzellangasse, ermöglicht es der Künstlerin großformatige Bilder zu malen, darunter auch die ersten Auftragsbilder.
Von 1933 bis ´37 gerät das Ehepaar Schwarz - angeregt durch die Freunde Kitt - in den Bannkreis von Zinkenbach. Zitat Gertrude Schwarz-Helberger: "... das Adambauernhaus wurde viele Jahre hindurch zur Schaubühne beglückender, künstlerischer Aktivitäten."
 
Gertrude Schwarz-Helberger ist zeitlebens in der glücklichen Lage, sich völlig ihren Neigungen hingeben zu können: um die 1919 geborene Tochter Liesl und den Haushalt kümmert sich die Großmutter und diverses Personal. Die für sie so wichtige `Freiheit´ ist ihr vergönnt.
 
Auf zahlreichen Reisen in den Süden (Italien, Dalmatien, Frankreich...) widmet sie sich weniger den Naturstudien, sondern dokumentiert auf höchst humorvolle Weise ihre Reiseerlebnisse. Ein besonders interessantes Album, das auch auf der Ausstellung zu sehen sein wird, zeigt die Vorkommnisse auf einer gemeinsamen Reise mit dem Ehepaar Huber. Ihr Talent als Karikaturistin ist darin evident.
 
1941 erfolgt der Umzug in eine Villa in Klosterneuburg, wo leider bei einem Bombentreffer ein Teil ihres Frühwerks zerstört wird! Die letzten Kriegsjahre verbringt sie mit ihrer Tochter in Zinkenbach. Erst nach der Wiederherstellung der Villa können sie nach Klosterneuburg zurückkehren.
 
Gertrude Schwarz-Helberger besucht Kunstausstellungen unterschiedlichster Art und verarbeitet das Gesehene sofort in eigenen Zeichunungen und Bildern. Sie entwickelt reges Interesse an den Kunstformen fremder Völker, vor allem der afrikanischen. Sie erwirbt afrikanische Skulpturen und malt unendliche Fantasiebilder die afrikanisch inspiriert sind. Diesen künstlerischen Fantasie-Reisen wird ein Raum der Ausstellung gewidmet sein.
 
1958 erwirbt die Albertina zwei ihrer Grafiken. Die folgenden Jahrzehnte sind von ungebrochener Schaffenkraft geprägt, aus dem offiziellen Kunstbetrieb zieht sie sich aber von da an zurück. Ihre "Wiederentdeckung" geschieht 1986 im Rahmen der Ausstellung "Der Zinkenbacher Kreis", von der Salzburger Galerie Altöder.
 
Das lange Künstlerleben der GSH war geprägt von überschäumender Phantasie und Kreativität. Ihr künstlerisches Schaffen ist ein Kaleidoskop aus den unterschiedlichsten Stilen und Einflüssen. Es lässt uns eintauchen in ihre Welt, voll von Träumen, Erotik und Humor und staunen über die schier unendlichen Spielarten, in denen sie ihren Freiheitsdrang auslebte.

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Bilder aus dem Koffer (2013)

Die Sammlung Fritz Grossmann und die Wiederentdeckung von Theodor Fried

2013 widmet sich das Museum Zinkenbacher Malerkolonie dem Kunsthistoriker Fritz Grossmann, der, mit vielen Zinkenbacher Künstlern befreundet, auf seine Flucht vor den Nationalsozialisten viele Blätter mitnahm. Eine einzigartige Sammlung, die sich heute im Besitz von Fritz Grossmanns Tochter in Wales (GB) befindet und erstmals ausgestellt wird.

Fritz Grossmann, 1902 im galizischen Stanislau geboren, wuchs in Wien auf und studierte Kunstgeschichte. Er besuchte Vorlesungen von Kapazitäten wie Julius Schlosser, Hans Tietze, Karl Maria Swoboda und Gustav Glück und promovierte 1932 über den Hochaltar der Schottenkirche. Doch war er immer sehr an zeitgenössischer Malerei interessiert gewesen und verkehrte in Kreisen junger Künstler, die dem Hagenbund und der Zinkenbacher Malerkolonie angehörten: Georg und Bettina Ehrlich zählten ebeso dazu wie Gerhart Frankl, Georg Merkel, Theodor Fried, Lisel Salzer, Lois Pregartbauer und Franz von Zülow. Grossmann engagierte sich auch sehr in der Volksbildung: Für die Volkshochschule Wien hielt er mehr als 200 Vorträge zu einem weiten Themenspektrum von Barock bis zur Moderne. Ab 1930 gab er außerdem die Zeitschrift „Forum. Zeitschrift für freie und angewandte Kunst“ heraus. Im Dezember 1938 flüchtete Grossmann nach Holland und weiter nach England, wo er vorerst Mitarbeiter von Ludwig Burchard wurde und später auch kunsthistorische Vorlesungen hielt und publizistisch tätig war. Er traf seinen Jugendfreund Antoine Seilern wieder, der eine bedeutende Kunstsammlung aufgebaut hatte. Gemeinsam erstellten sie einen Katalog dieser Sammlung. 1955 publizierte Grossmann ein Buch über Pieter Bruegel, das zu einem Standardwerk wurde. 1984 starb er in London.

Ein großer Teil der ausgestellten Bilder stammt von Theodor Fried, dessen Bedeutung heute völlig in Vergessenheit geraten ist. Theodor Fried, 1902 in Budapest geboren, ist nahezu vergessen. Er war ein Vertreter der Avantgarde, studierte in Budapest an der Kunsthochschule, die er jedoch auf Grund der konservativen Ausrichtung bald gen Wien verließ. Theodor kam rasch in eine Szene moderner Künstler, konnte erste Erfolge in der Galerie Hugo Hellers feiern und ging 1925 nach Paris, wo er im selben Jahr und 1926 im Salon d’Automne (Herbstsalon) ausstellte. Dieser war 1903 als Reaktion auf die konservative Politik des offiziellen Salon de Paris gegründet worden. Frieds ausgestellte Bilder wurden von den Kritikern sehr positiv aufgenommen; es folgte eine Ausstellung in der berühmten Galerie Zborovsky. 1929 beschickte er als Mitglied der “Novembergruppe”, 1918 in Berlin gegründete Künstlergruppe, die Juryfreie Kunstschau Berlin mit seinem Bild “Blinde”. Fried lebte mit seiner Frau Anny Politzer, einer Schriftstellerin, und seinem Sohn in Paris – Frau und Kind flohen 1938 nach Amerika, Fried blieb in Frankreich, flüchtete in den Süden und konnte 1942 über Casablanca ebenfalls nach Amerika entkommen. Dort trennte er sich von seiner Frau, arbeitete stetig weiter und gründete 1949 mit seiner zweiten Frau Maria die Kunstschule an der Hudson Guild, wo er viele Jahre unterrichtete. Parallel schuf er viele weitere Werke, denen 2001 und 2002 Ausstellungen in Washington DC und New York gewidmet waren. 1980 starb Theodor Fried in New York.

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Zinkenbach - ein österreichisches Worpswede? - Schicksal der Malerkolonie am Wolfgangsee (2012)

Der Zinkenbacher Malerkolonie wurde 1932 vom seinerzeit einflußreichen Wiener Kunstkritiker Wolfgang Born in einem Artikel des Wiener Journals prophezeit, sie sei "auf dem besten Weg ein österreichisches Worpswede zu werden". Ein großes Wort, angesichts des schon damals weitverbreiteten Bekanntheitsgrades dieser deutschen Künstlerkolonie.
Anhand des eingangs erwähnten Artikels im Wiener Journal stellt das Museum diesmal die dort erwähnten Künstler aus Zinkebach vor. Keine Gegenüberstellung oder Vergleich mit den Worpswedern, sondern die Möglichkeit die Zinkenbacher Maler in ihrem malerischen Schaffen und ihrer persönlichen Lebensgeschichte und ihrem Schicksal zu entdecken. Dies auch im Spannungsfeld vor und nach dem allumfassenden Eingreifen nationalsozialistischer „Kulturpolitik“. Die Ausstellung möchte Denkanstöße liefern und anregen, sich mit den einzelnen Persönlichkeiten und Schicksalen näher auseinanderzusetzen.

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Bilder auf Sommerfrische - Aus der Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank von Faistauer bis Thöny (2011)

Diese Ausstellung präsentierte eine Auswahl an Leihgaben aus der umfangreichen Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank. Bedeutende Werke österreichischer Zwischenkriegs-Künstler von Anton Faistauer, Carl Moll, Albert Paris Gütersloh und Albert Birkle bis zu Malern der Zinkenbacher Malerkolonie wie Ernst Huber und zu Größen wie Wilhelm Thöny, Carry Hauser, Erika Giovanna Klien und Viktor Planckh.

Dem Besucher wurde ein spannender, vielschichtiger Einblick in diese besondere Zeitspanne der österreichischen Geschichte und das breite Spektrum der künstlerischen Reaktionen gewährt. Angesichts der damals herrschenden politischen Wirren, der Hungersnot und allgemeinen Hoffnungslosigkeit, sieht man die friedliche Schönheit mancher Bilder mit anderen Augen. Die Ausstellung hat den Besucher eingeladen, sich zunächst auf die Beschaulichkeit der ganz privaten Blumenbetrachtung einzulassen, um den Blick dann langsam zu weiten, über Landschaften und Städteansichten bis hin zur Vision der Metropole New York. Im dritten Raum wurde die beeindruckende Spannweite der künstlerischen Avantgarde- Strömungen der Zeit vor Augen geführt, vom Kubismus und malerischen Expressionismus, über die Neue Sachlichkeit bis zum Wiener Kinetismus und Futurismus.

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Alfred Gerstenbrand - Ein Maler und St. Gilgen (2010)

Als Josef Hoffmann den jungen Malern des beginnenden 20. Jahrhunderts Mut zusprach, "etwas Neues" zu machen, beteiligte sich Alfred Gerstenbrand mit der Einreichung eines Porträts seines Malerkollegen Anton Kling an der Kunstschau 1908. Diese wurde anlässlich des 60-jährigen Regentenjubiläums Kaiser Franz Josefs in Wien, initiiert durch Gustav Klimt, veranstaltet.

Es war sodann kein geringerer als dieser Gustav Klimt, der das zeichnerische Talent des jungen Alfred Gerstenbrand würdigte und ihm empfahl, seine Ausbildung in Paris weiter zu vervollkommnen. Wahrscheinlich war das auch ausschlaggebend an der Weiterentwicklung, der in die Wiege gelegten Fähigkeit zu arbeiten. Obwohl schon der Großvater mütterlicherseits sein Talent erkannte und ihn bereits als Vierjährigen im Zeichnen forderte, sollte Alfred die militärische Laufbahn einschlagen. Das kaiserliche Heer hatte allerdings kein Interesse, ihm einen Platz für die begehrte Offiziersausbildung anzubieten. Trotzdem meldete Gerstenbrand sich 1901 als Einjährig-Freiwilliger zur Reiterausbildung und wurde ein Jahr später als Korporal ausgemustert. So ging es zurück ins Finanzministerium, wo er schnell als begabter Zeichner auffiel. Vor allem durch Skizzen und kleine Karikaturen von Kollegen und Vorgesetzten machte er sich viele Freunde. Bald tat er sich mit seinen ehemaligen Künstlerkollegen im Rahmen eines gemeinsamen Ateliers zusammen und entwickelte vor allem in den Bereichen Grafik und Karikatur sein Talent weiter.

Im ersten Weltkrieg wurde Alfred Gerstenbrand dann doch gebraucht und schnell bis zum Oberleutnant befördert. Seine Zeichnungen, die er im Auftrag des Generalstabs in den Gebieten der Südflanke der Monarchie anfertigte, waren wichtige Unterlagen für die Heeresleitung. Seine Reisen führten ihn dabei bis nach Griechenland. In dieser Zeit - während und nach dem Ersten Weltkrieg war Gerstenbrand mit vielen Künstlern in Wien befreundet.

Schon bald nach dem Krieg entdeckte Gerstenbrand das Salzkammergut und kam, wie so viele Künstler, vor allem auf "Sommerfrische" in die Gegend um St. Gilgen. Seine künstlerische Entwicklung in diesen Jahrzehnten war intensiv. Reisen nach Frankreich, Italien, Ägypten usw. nützte er, um seine Eindrücke von Land und Leuten bildlich festzuhalten.

Als sich die Künstlerkolonie um Ferdinand Kitt in Zinkenbach (heute Abersee) am Wolfgangsee bildete, war auch er immer wieder als Malerkollege dort. Man kann ihn allerdings nicht zum Kern dieser Künstlergilde zählen. Im Unterschied zu ihnen beobachtete Gerstenbrand in seinen Bildern viel mehr den Menschen und stellte ihn in all seinen Facetten dar, während sich die "Zinkenbacher" im Wesentlichen der Landschaftsmalerei widmeten.

Die Zeit zwischen 1920 und 1950 war sicherlich die qualitativ bedeutendste Schaffensperiode Alfred Gerstenbrands. Die großen Bilder dieser Zeit sind es auch, die in den Museen zu finden sind.

So gesehen gab die Sommerausstellung nur in einen kleinen, bescheidenen Teil seines Oeuvres Einblick. U. a. zeigte sie zahlreiche Arbeiten, die den vielen Freunden zum Geschenk gemacht wurden, ohne dass er einen wirtschaftlichen Nutzen daraus gezogen hätte. Seine wirtschaftliche Existenz war durch seine diversen Pensionsbezüge ausreichend abgedeckt. So konnte er seine Bilder gestalten, wie es ihm Freude machte. Die überwältigende Anzahl an Bildern, die sich im Besitz vieler seiner Freunde in und um St. Gilgen und Wien finden, sind Geschenke, mit denen er die Zuneigung, die man dem liebenswürdigen Künstler und Menschen entgegenbrachte, erwiderte.

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Ernst August von Mandelsloh (1886 – 1962) - Der Zerrissene (2009)

Als Ernst August Freiherr von Mandelsloh im Jahre 1962 stirbt war er bereits von der Kunstwelt weitgehend vergessen worden. Und bis heute ist er den wenigsten ein Begriff.
Dabei war er fester Bestandteil des kulturellen Geschehens der Zwischenkriegszeit sowohl in Deutschland als auch in Österreich.

Mandelsloh wurde am 18. Juli 1886 in Wels geboren. Er war vorrangig als Graphiker tätig und bildete sich hier überwiegend autodidaktisch fort. Vorerst Fliegeroffizier, betätigte er sich seit dem Jahre 1919 als Künstler, angeregt durch Kurt von Unruh und Max Beckmann. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten wurde er ab dem Ende der 20er Jahre immer wieder mit Aufträgen betraut, die in der Hauptsache die Porträtierung von Industrieanlagen und Werksgeländen großer Unternehmen betrafen. Von 1931 bis 1939 war er Mitglied der Wiener Sezession und erhielt 1932 den österreichischen Staatspreis. Unter anderem stellte auf der Ausstellung "Berge und Menschen der Ostmark" im Künstlerhaus, Wien 1939 aus. Von 1941 bis 1942 war er Professor für Aquarellmalerei und Kunsterziehung an der Wiener Akademie.

Die Bedeutung von Mandelsloh erschließt sich aber nicht nur von der künstlerischen Seite. Als Landesleiter für Bildende Künste im Gau Oberdonau und auch als „Berichtsverpflichteter“ des Heydrichschen SS-Sicherheitsdienstes zu „Interventionen“ spielte er kunstpolitisch in der NS-Zeit eine Rolle, die ihn immer wieder in sehr zwiespältige Situationen versetzte. Immer wieder setzte er sich für einige Kollegen ein wie z.B. Sergius Pauser oder auch Alfred Kubin und prangerte die Situation der Kunst wie der Künstler an. Vor allem als jemand der dem Deutschen Expressionismus inhaltlich zugetan war, stellte er sich gegen die offizielle Beurteilung von „entarteter“ Kunst. Selbst ist er in seinen Werken stilistisch eher der neuen Sachlichkeit zuzuordnen.

Als Mitglied der Zinkenbacher Malerkolonie war er über Jahre eng mit der Region Wolfgangsee verknüpft. Aber auch seine Tätigkeit als künstlerischer Werkstattleiter der Keramikmanufaktur Schleiss in Gmunden festigten seine Freundschaften mit Franz von Zülow oder auch Ernst Huber.

Sowohl die künstlerische Einordnung und eine Würdigung seines Schaffens war das Ziel der Ausstellung 2009. Dabei darf der historisch-politische Aspekt nicht außer Acht gelassen werden.

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Der Wolfgangsee - Ideal einer Landschaft (2008)

Die Sommerausstellung 2008 des Museums Zinkenbacher Malerkolonie widmete sich den Darstellungen des Wolfgangsees und seiner Landschaft. Das gesamte Salzkammergut, darunter auch der Wolfgangsee, übte seit jeher mit seiner romantischen Landschaft auf Kunst- und Kulturschaffende einen besonderen Reiz aus.

Die Landschaft war Zufluchtsort städtischer Betriebsamkeit und ideales Sujet für Künstler, einige darunter gehören zu den größten österreichischen Malern des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung zeigt Bilder dieser Künstler vom See und seiner Ortschaften, natürlich wird auch die Zinkenbacher Malerkolonie mit Werken von u.a. Ernst Huber, Ferdinand Kitt oder Lisl Engls vertreten sein.

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Gudrun Baudisch zum 100. Geburtstag (2007)

Gudrun Baudisch wurde am 17. März 1907 als Tochter eines Landarztes in Pöls ob Judenburg geboren, ihre Jugendzeit verbrachte sie in Unzmarkt. Früh zeichnete sich ihr kreatives Wesen und ihre gestalterische Freude ab, der Wunsch, Bildhauerin zu werden, nahm immer konkretere Formen an. Die Eltern zeigten dafür Verständnis; sie ermöglichten der Tochter eine Ausbildung an der „Österreichischen Bundeslehranstalt für das Baufach und Kunstgewerbe“ in Graz, zunächst in der Bildhauerklasse von Wilhelm Gösser, hierauf drei Jahre in der Keramikklasse bei Hans Adametz. Die spätere Polarität in ihrem Schaffen: Bildhauerei – Keramik kündigte sich damals bereits an.

1926 gelang Gudrun Baudisch die Aufnahme in die Entwurfsabteilung für Keramik an der Wiener Werkstätte, vorerst als Volontärin, bald darauf jedoch mit fixer Anstellung. Diese Zeit, die Zusammenarbeit mit den wichtigsten Keramikerinnen (es waren in der Tat hauptsächlich Frauen), vor allem mit Vally Wieselthier, sollten die junge Künstlerin nachhaltig prägen. Damals entstanden zahlreiche ihrer berühmten „Köpfe“ und andere Originalkeramiken, sowie Lampenfüße oder Kakteenschalen, welche in kleinen Serien erzeugt wurden. Über die Wiener Werkstätte lernte sie neben Joseph Hoffmann auch viele andere bedeutende Künstler kennen. Einer davon war Clemens Holzmeister, der Gudrun Baudisch für seine städtebaulichen Planungen in Ankara gewinnen konnte. Die junge Keramikerin begleitete ihn in die Türkei, wo sie für das Palais Kemal Atatürk verschiedene baudekorative Elemente und Stuckdecken schuf. Zeitlebens hat Baudisch immer wieder mit Holzmeister zusammengearbeitet; sei es bei Kirchenbauten, wie in Bregenz-Vorkloster (1931), Wien-Neufünfhaus (1934) oder Zwölfaxing (1967), um nur einige zu nennen, oder bei öffentlichen Bauten, wie etwa dem Großen Festspielhaus in Salzburg (1959/60). Eine tiefe persönliche Freundschaft verband die Familien.

Ab 1936 erhielt Gudrun Baudisch etliche Aufträge für große Stuckdecken in Berlin. Im Zuge ihrer Tätigkeiten lernte sie Karl-Heinz Wittke kennen. Die beiden heirateten 1940.

Bereits 1937 hatte Gudrun Baudisch ein Haus in Hallstatt erworben. Hierher kam sie nach Kriegsende, hier begann mit der Gründung der „Hallstätter Keramik“ ein völlig neuer Lebensabschnitt. Praktisch aus dem Nichts und mit Nichts entstanden die ersten Tonwaren. Für den notwendigen Gewerbeschein legte Gudrun Baudisch 1947 die Meisterprüfung ab.
In Hallstatt entstanden verschiedenste Gebrauchskeramiken, Geschirre, kleine Souvenirs, Ofenkacheln, und vieles mehr. Besondere Herausforderungen stellten Großaufträge dar, wie die kompletten Speiseservice für das „Weiße Rössl“ in St. Wolfgang und das Belgische Königshaus. Es waren arbeitsintensive aber auch gewinnbringende Zeiten.
Zahlreiche Lehrlinge und Gesellen wurden in Hallstatt ausgebildet. Als wohl prominentester unter ihnen ist Franz Josef Altenburg zu nennen. 1978 übergab Gudrun Baudisch die „Hallstätter Keramik“ an Erwin Gschwandtner, dessen Söhne heute den Betrieb führen.

Eine wichtige Zusammenarbeit ergab sich ab 1968 mit Johannes Fürst Hohenberg, dem damaligen Besitzer der „Gmundner Keramik“, mit der „Gruppe H“ (für Hallstatt, Hohenberg), für die sie zahlreiche Gebrauchskeramiken und Keramikfiguren entwarf.

In ihren letzten Jahren widmete sich Gudrun Baudisch vor allem wieder der künstlerischen Keramik. Ihre Lieblingstechnik war und blieb der freie, hohle Aufbau großer, manchmal überdimensionaler Objekte aus Ton, die naturalistisch anmutend wie ihre Tierplastiken oder völlig abstrakt wie die „Torsi“ sein konnten. Ein kleines Atelier in Salzburg und eine Wohnung am Universitätsplatz ermöglichten ihr Aufenthalte in der Festspielstadt und freie künstlerische Entfaltung. Eine weitere Facette ihres Schaffens bildeten Aquarelle mit duftigen Blumengebinden und zarten Landschaften, wobei sie stets bedauerte, viel zu selten zum Malen zu kommen. Bis zu ihrem Lebensende blieb Gudrun Baudisch aktiv und kreativ. Sie starb am 16. Oktober 1982.

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Künstlerfreundschaften - Die Welt ist ein Dorf (2006)

Künstlerfreundschaften -wohl kein anderes Thema für eine Ausstellung lässt eine so große Bandbreite an unterschiedlichen Persönlichkeiten zu, die einander aus vielfältigen Gründen zugetan sind bzw. waren. Und ebenfalls kein anderes Thema birgt die Gefahr in sich, in dem dichten, umfangreichen Beziehungsgeflecht den Faden zu verlieren. Da werden Maler, Bildhauer, Schauspieler, Musiker, Journalisten, Philosophen, Politiker und Wissenschafter oberflächlich betrachtet zu einer homogenen Masse und niemand wagt es die näheren Beweggründe ihrer Verbundenheit zu beleuchten. Oftmals sind es Freundschaften, die uns abwegig erscheinen und manchmal sind wir erstaunt, wie einfach zu erkennen der gemeinsame Anhaltspunkt doch eigentlich ist. Dass daraus ein Netzwerk gesponnen werden kann, das letztendlich den Bogen von Egon Schiele bis Grandma Moses ebenso spannt, wie von Elisabeth Bergner zu Richard Mayr, erscheint auf den ersten Blick vielleicht übertrieben. Aber es dokumentiert nicht nur die Strahlkraft einer Künstlergruppe der Zwischenkriegszeit, sondern auch ein verändertes Verhältnis zu Freunden allgemein.

Heute erscheint es wichtiger Beziehungen zu haben, um auf der Karriereleiter voranzukommen als Freundschaften zu pflegen. Dass Freundschaft aber ein kreatives Prinzip zwischen Konkurrenz und gegenseitiger Inspiration bereits damals war, wird ebenfalls an einfachen Beispielen klar.

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Künstlerleben 1945-1955 - Zwischen Last und Hoffnung (2005)

Mit dem Jahr 1945 war die Geschichte der Zinkenbacher Malerkolonie im Grunde genommen längst Vergangenheit. Denn bereits 1938 bedeutete der Weggang eines Großteils der Künstler das Ende jener Künstlergruppe, die bestimmt war von persönlichen Verbindungen und Freundschaften.

Ein Anknüpfen an die Zeit vor dem Anschluss Österreichs war aus mehreren Gründen undenkbar. Die Lebenswege der Freunde hatten sich so weit auseinander entwickelt, dass ein Zusammentreffen in Zinkenbach unmöglich erschien. Für jene, die im Ausland eine Karriere und Existenz aufgebaut hatten, war in den ersten Jahren nach dem Krieg an Rückkehr noch nicht zu denken. Für diejenigen, die geblieben waren, bedeuteten die ersten Jahre meist große Anstrengungen um inmitten schlimmster Bedingungen zu überleben.

Geprägt von den Ereignissen der Jahre 1938-45 setzte jeder von ihnen zwar seine künstlerische Entwicklung fort, allerdings muss bedacht werden, dass die meisten von ihnen bereits an die 60 Jahre alt waren. Sie setzten alles daran, möglichst schnell wieder Strukturen zu schaffen, die ein aktives Kulturleben gewährleisteten. Sie wurden Lehrer einer neuen Generation, organisierten Ausstellungen und konnten in ihrer Spätphase auf Künstlerleben zurückblicken, die zwei Weltkriege, Wirtschaftskrisen und politische Wenden mitgemacht hatten.

Den vielfältigen Aspekten solcher Schicksale war die Ausstellung "Künstlerleben 1945-1955" des Museums Zinkenbacher Malerkolonie gewidmet.

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Georg Ehrlich - Von der Zeichnung zur Bronze (2004)

Die Sommerausstellung 2004 ist erneut einem jüdischen Mitglied der Zinkenbacher Malerkolonie gewidmet. Wie Lisel Salzer (Sommerausstellung 2003) wurde auch Georg Ehrlich gezwungen Österreich zu verlassen. Ehrlich nahm einen Auftrag in England im Jahre 1937 zum Anlass nicht mehr in die umheimliche Heimat zurückzukehren. Seine Frau, die Malerin Bettina Bauer-Ehrlich folgte ihm ein Jahr später nach, wobei es ihr gelang, einen Großteil seiner Arbeiten in die Emigration zu retten.

Georg Ehrlich, dessen bildhauerisches Talent bereits vor seinem Eintritt in die Kunstgewerbeschule von einem seiner späteren Lehrer Oskar Strnad erkannt worden war, beginnt zunächst mit Zeichnung und Graphik. Hauptwerk dieser Jahre ist ein lithographischer Bibelzyklus, darin er die Schrecken des 1. Weltkrieges, an dem er als junger Fähnrich teilgenommen hatte, aufarbeitete,. Dem eindrucksvollen Zyklus ist ein eigener Bereich der Ausstellung gewidmet.

Ab dem Jahr 1926/27 entstehen erste Bronzeplastiken, wobei dem Portrait von Freunden der Vorzug gilt: Das Kunsthistorikerpaares Hans Tietze und Erica Conrat-Tietze, die Schauspielerin Elisabeth Bergner, der Malerfreund aus Zinkenbacher Tagen Georg Merkel oder die Tänzerin Grete Wiesenthal, um nur einige zu nennen, mit deren inneren und äußeren Erscheinungsbild sich Ehrlich wiederholt zeichnerisch wie plastisch auseinandersetzt. Nicht zuletzt fertigt er zahlreiche Portraits von seiner schönen Frau Bettina. Mit ihr verbringt er auch die unbeschwerten Sommertage am Wolfgangsee. Dort lernen die beiden auch die junge Lisel Salzer kennen, die dem Ehepaar eine langjährige Freundin sein wird. Georg Ehrlich zeichnet die junge Malerin im Sommer 1932.

Die malerische Landschaft des Salzkammerguts hält Ehrlich in Aquarellen fest, Bilder, die ihm Entspannung von seiner sonstigen, künstlerischen Arbeit bedeuten. In den Höfen und Feldern von Zinkenbach entstehen auch zahlreiche Tierstudien, von denen er einige später in England in Bronzen umsetzt. Diesen Tierbronzen ist ein weiterer Bereich der Ausstellung gewidmet. Eine "Knabbernde Ziege" erinnert in amüsanter Weise an die Sommer am Wolfgangsee: Weil seine Quartiergeberin es skandalös fand, daß Ehrlich dauernd nackte Frauen und Mädchen malte - ohnehin meist seine Frau - wollte sie den Künstler kein zweites Mal mehr bei sich im Hause haben. Ehrlich konnte sie jedoch mit einem Portrait ihrer Lieblingsziege versöhnen und damit sein Sommerquartier für die folgenden Jahre sichern.

Mit der Emigration nach England entgingen die Ehrlichs zwar dem Schlimmsten, doch war ihre Existenz keinesfalls unbedroht. Georg Ehrlich wurde 1940/41 als "feindlicher Ausländer" interniert und von seiner Frau getrennt. Die Bedrohung des eigenen Lebens und die deutschen Luftangriffe auf England prägen sein zeichnerisches und plastisches Werk dieser schwierigen Jahre. Zu den eindrucksvollsten Arbeiten zählt das Bild einer Mutter mit ihrem von Bomben getöteten Kind, das als moderne Pieta von der Ergebung in das unveränderbare Schicksal handelt. Der "feindliche Ausländer" Ehrlich erhält zu Kriegsende den für einen Emigranten aus Feindesland vielleicht ehrenvollsten Auftrag: Das Mahnmal zur Erinnerung an Zerstörung von Coventry. "Pax" nennt Ehrlich die weibliche Liegefigur, die aus diesem Anlass schafft. Versöhnlicher kann Kriegserinnerung kaum ausfallen.

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Lisel Salzer - Ein Künstlerleben zwischen Wien und Seattle (2003)

Lisel Salzer, (1906 - 2005) war die letzte Künstlerin aus dem Kreis der Zinkenbach Kolonie. Seit ihrer Emigration 1939 lebte die gebürtige Wienerin in den Vereinigten Staaten. Mehrere Stationen führten sie zusammen mit ihrem Mann von New York über Maine, Arizona und San Francisco nach Seattle, wo die sie bis zu ihrem Tod 2005 wohnte. Als Schülerin Ferdinand Kitts, Verehrerin Josef Dobrowskys und Freundin Hilde Spiels und des Ehepaars Ehrlich kam Lisel Salzer in ihrer Jugend bereits an den Wolfgangsee, 1932 wahrscheinlich erstmals nach Zinkenbach. Hier entstanden zahlreiche Landschaften in Aquarell, während in ihrem sonstigen Werk das Ölportrait dominiert.

"Von den letzten Dingen" meint eine kleine Auswahl dieser Aquarelle, die, sorgsam gezeichnet, von dem sonst flotten Stil der Salzer abstechen. Es handelt sich um photographische Aufnahmen aller vertrauten und geliebten Plätze der Heimat, die die als Jüdin Verfolgte kurz darauf verlassen mußte. Tatsächlich entstanden die betreffenden Ansichten alle in den letzten Monaten vor dem Exil.

"Von den ersten Dingen" erzählen die Bilder nach der Ankunft in New York. Es sind Bilder aus dem glücklichsten Blickwinkel auf die neue Welt. Der Blick aus dem Fenster der Einzimmerwohnung, die Lisel Salzer mit ihrem Mann bewohnt ist so heiter und unbeschwert, wie die zahlreichen Schnellportraits, die sie in den New Yorker Tagen anfertigt. Nicht nur die Physiognomie der Menschen scheint gewandelt, sondern auch der Blick der Künstlerin auf sie. Lisel Salzer interessiert keine Emigrantenschicksale, und niemals sind ihre Bilder von der Wehmut der alten Welt durchtränkt. Der Blick der Malerin ist unverstellt nach vorne gerichtet.

Die alte, verlassene Welt trägt sie dennoch im Gepäck: Portraits aus den Wiener Tagen hat sie in die Emigration mitgenommen. Die meisten von ihnen sind namenlos, Menschen, die ihr Interesse für die Dauer eines Bildes erregt hatten. Mit diesen "Fremden" reist Lisel Salzer durch Amerika, bis sie zuletzt im Keller des Hauses in Seattle landen. Die Entwurzelten lagerten dort unter Staub und Ruß, bis sie nun auf ihre - hoffentlich letzte Reise geschickt wurden: "Sie wollen nach Hause" hat Lisel Salzer anläßlich der Verschiffung gesagt.

Von diesen "Reisegefährten" der Emigration, den letzten und den ersten Dingen soll die Ausstellung berichten. Auch die Gefährten ihres Lebens werden noch einmal versammelt: Die Familie: Ihre Eltern, ihr Mann Fritz Großmann und die Cousine Hedda Salzer - Bauersax. Die Freunde, Bettina und Georg Ehrlich, Hilde Spiel, Trude und Erich Zeisl, Edith Hückel und Steffi Fleischmann. Die Kollegen: Josef Dobrowsky, Sergius Pauser und Ernst Huber. Sie alle hat Lisel Salzer überlebt.

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Heimat, Fremde und Exil (2002)

Ausgehend von der politisch-historischen Entwicklung der Jahre 1927-1938 wird der künstlerische Werdegang jener Künstler verfolgt, die sich jeden Sommer in Zinkenbach am Wolfgangsee trafen. Die drei Schlagwörter „Heimat, Fremde und Exil“ umreißen nicht nur die wichtigsten Lebensstationen der einzelnen Maler, sondern vermitteln ein umfassendes Bild einer gesamten Generation.

In der Malerei stellt sich als zentrales und auch thematisch aussagekräftigstes Sujet die Landschaftsmalerei dar. Sie spiegelt das Umfeld und seine geographische Situation wieder. In Verbindung dazu steht der jeweilige Hinweis auf die Lebenssituation des Einzelnen.
Notwendig erscheint vor allem die Unterscheidung von Heimat als Lebensraum und Heimat als einem immer stärker werdenden Ausdruck nationaler Gesinnung, der schließlich bis zum politischen Missbrauch reichte. Seit der Zeit des Nationalsozialismus erhielt das Wort in Deutschland und Österreich einen bitteren Beigeschmack.

Die Maler der Zinkenbacher Malerkolonie hatten zu diesem Thema allerdings andere Beweggründe. „...es gibt noch immer die schöne Landschaft bei uns in Österreich! Sie ist auch im Zeitalter der Moderne nicht unmodern geworden. Idyllische Marktplätze, Dörfer mit alten Häusern...ringsum der Kirchplatz, ein liebliches Tal...Obstgärten und kleine Mühlen vom Wasser getrieben, so ist es, Gott sei Dank, noch bei uns. Da ich ein Maler bin, der aus der Landschaft seine Bildidee und Bildform holt, ist es leicht erklärt, warum ich mich nach all den vielen Reisen in das Ausland in meinem Land so wohl fühle.“ (Ernst Huber, 1956/57)

Im Jahre 1938 verloren viele Österreicher ihre Heimat. Dieser Verlust wurde für viele zwar zu einer Frage des Überlebens, verstärkte aber zugleich den Wunsch nach Zugehörigkeit. So hegten etliche der ins Ausland geflüchteten Intellektuellen lange den Wunsch in die Heimat zurückzukehren, um hier als ein integrierter Bestandteil der Gesellschaft aktiv sein zu können. In dieser Gruppe entstand ein sehr ambivalentes Verhältnis das Alfred Polgar so zusammenfasste: „Die Fremde ist nicht Heimat geworden. Aber die Heimat Fremde.“
Andere wiederum konnten in der Heimat bleiben. Sie arrangierten sich mit den neuen Verhältnissen und konnten weiter ihrer Tätigkeit nachgehen. Ernst Huber, Ferdinand Kitt, Sergius Pauser und Ernst August Freiherr von Mandelsloh setzten so ihre Karriere fort.
„Es ist schön als Österreicher geboren zu werden und es ist schön als Österreicher zu sterben! Aber was macht man dazwischen?“ Mit dieser Aussage umschreibt Anton Kuh sehr präzise die Lebensumstände und den Zwiespalt von Künstlern der Zwischenkriegszeit.

Die Fremde bedeutete für viele Künstler in erster Linie noch immer die obligaten Studienaufenthalte im Ausland. Das Sammeln neuer Eindrücke, das Kennenlernen anderer Künstlerkollegen und fremder Kulturen und der Blick auf interessante Landschaften sollten den Maler beeindrucken, sein Können schulen sowie seine Individualität fördern. Das Fremde und Neue wurde hier ausschließlich positiv verstanden und diente der Formung der eigenen Persönlichkeit. Es weckte das Interesse und regte zu Ideen an.
Man bereiste Italien, Frankreich und England nicht nur wegen der reizvollen Motive, sondern suchte auch nach potentiellen Auftraggebern. Für einige der Maler bedeuteten diese Aufenthalte die Möglichkeit bereits Kontakte zu knüpfen, die Ihnen besonders nach 1938 nützlich sein konnten. Georg Ehrlich erhielt 1937 einen Auftrag in London und nutzte beispielsweise diesen Aufenthalt um nicht mehr nach Österreich zurückzukehren. Sein Frau Bettina folgte ihm nach.
Als einen Globetrotter könnte man Ernst Huber bezeichnen, der neben den klassischen Reisezielen auch Dänemark, Nordafrika, Amerika und Kuba besuchte.
Waren Reisen vor 1938 für die Künstler eine Frage des Interesses wurden sie nun die einzige Möglichkeit um zu überleben. Der große Exodus, der einsetzte, traf den Zinkenbacher Malerkreis im Kern und führte zu seinem Zerfall. Viele mussten Österreich aus rassischen Gründen verlassen.
Georg Merkel emigrierte mit seiner Frau Luise Merkel-Romée nach Frankreich und war gezwungen, dort teilweise im Untergrund zu leben. Dem Ehepaar Ehrlich erging es ähnlich. Einen aussergewöhnlichen Weg schlug Bettina Ehrlich ein, die ihren Lebensunterhalt überwiegend durch die Produktion von Kinderbüchern bestritt. Unter dem Pseudonym Bettina zeichnete sie sowohl für Texte als auch Illustrationen verantwortlich.
Jedoch nicht nur der Antisemitismus veranlasste Menschen ihre Heimat zu verlassen. Einige Künstler wurden mit einem Malverbot belegt oder als entartet verfemt. So ging Ludwig Heinrich Jungnickl 1938 freiwillig ins Exil und kehrte erst 1952 wieder zurück.
Die Entwurzelung, die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Situation und die immer wiederkehrende Hoffnungslosigkeit lässt sich in zahlreichen Texten wiederfinden. Die innere Zerrissenheit der Betroffenen lässt sich nur erahnen.

Der Verlust ist jedoch keineswegs einseitig. Eine künstlerische wie intellektuelle Elite verließ Österreich und hinterließ eine Lücke die nur schwer zu schließen ist. Bilder von emigrierten Künstlern sind nur schwer zu finden. Andere Maler kennt man nicht mehr. Lisl Salzer beispielsweise, die erst 2005 in Seattle starb, ist hier beinahe völlig unbekannt.

Unsere Aufgabe ist es nicht nur, uns an der Kunst dieser Menschen zu erfreuen, sondern wir sind aufgefordert das Leid dahinter zu erkennen.

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Auftakt (2001)

Die erste Ausstellung widmete sich der Entstehung, Bedeutung sowie Umfeld und Zerfall der Zinkenbacher Malerkolonie.

Als kleine Gruppe, die sich alljährlich zur Sommerfrische traf, spiegelt sie die unterschiedlichen Tendenzen in der Kunst der Zwischenkriegszeit wieder und auch den Versuch eine Neuorientierung zu finden. So unterschiedlich jeder einzelne der Künstler war, die sich um die zentrale Figur Ferdinand Kitt sammelten, so verschiedenartig waren die malerischen Temperamente. Wesentliches, gemeinsames Merkmale ist die Hinwendung zur Landschaftsmalerei und der Versuch in dem bäuerlichen Umfeld das Leben einfacher zu gestalten.

Anders als bei einigen Künstlergemeinschaften, die außerhalb Wiens entstanden, trat die Zinkenbacher Malerkolonie nicht als geschlossene Organisation auf, die durchwegs eine einheitliche künstlerische Linie vertrat, sondern gab sich als Freundeskreis. Entspannt und fröhlich, so schildert es das Blödelalbum, verbringt man hier noch gemeinsame Zeit, obwohl man eigentlich politisch und sozial nicht unterschiedlicher sein könnte. Im „Malschiff“, wie sich die Gruppe gerne selbst bezeichnete, waren Persönlichkeiten aller politisch-soziologischen Strömungen der Zeit vertreten. Politisch Geduldete und Verfolgte, völkische, kommunistische, selbst nationalsozialistisch eingestellte Künstler verbrachten ihre Zeit am Wolfgangsee. „Arier“ und „Nichtarier“ setzten sich hier noch in ein Boot.

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Museum Zinkenbacher Malerkolonie | A-5340 St. Gilgen am Wolfgangsee,  Aberseestraße 11, 1. Stock (Kulturhaus St. Gilgen)
Telefon (während der Öffnungszeiten): +43 676 77 23 405 | Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!